Endgültige Konstruktion der Vorderseite

42 Swing Time Experiment: Der Flyer

Geschrieben am 25.04.2012 von Arne K.

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Was genau das „Experiment 42 Swing Time“ ist, liest man am besten hier im ersten Teil der Serie nach. Alle Beitrage zu diesem Thema findet man unter dem Schlagwort „42 Swing Time“.

Nachdem ich im Beitrag „Logoentwicklung 42 Swing Time“ schon sehr ausführlich beschrieben habe, wie und warum das Logo zu der Veranstaltung entstanden ist, geht es hier jetzt um den dazugehörigen Flyer.

Auch wenn hier einige Screenshots aus dem Entwicklungsprozess zu sehen sein werden, soll das hier kein „Wie erstelle ich einen Flyer„-Tutorial werden. Ich werd an einigen Stellen zeigen, wie ich etwas gemacht habe, der Fokus allerdings soll mehr auf dem „Warum“ als auf dem „Wie“ liegen.

Zuerst allerdings zur Einstimmung, ein wenig Musik:


YouTube Direktbebop

Wie schon bei der Entwicklung des Logos steht auch beim Flyer am Anfang das Konzept.

Das Konzept

Wie bereits erzählt, wollen wir uns die Option offen halten aus der Veranstaltung eine Serie zu machen. Damit das als Serie auch nach außen hin leicht erkennbar ist, müssen auch die Flyer ein Wiedererkennungspotential haben.

Wenn man daraus eine Serie macht, müssen die Flyer zum einen Elemente besitzen, die man wiederholen kann, damit sie als zusammengehörig erkannt werden. Andererseits müssen sie auch Elemente haben, die man variieren kann, damit sich die Flyer innerhalb der Serie deutlich unterscheiden und nicht verwechselt werden.

Hinzu kommt, dass der Flyer zu den bisher veröffentlichten Designelementen passen muss. Das sind bisher:

Da haben sich schon einige Elemente etabliert, die der Flyer wieder aufgreifen muss, damit ein stimmiges Gesamtbild entsteht.

42  SwingTime Facebook-Seite

42 SwingTime Facebook-Seite (Quelle: http://www.facebook.com/42SwingTime)

Darüber hinaus gibt es noch vier allgemeine Kriterien, die meiner Meinung nach jeder Flyer erfüllen muss.

1. Er muss auffallen!

Flyer

Flyer (Quelle: wikipedia)

Flyer sind Wegwerfartikel, die auf zwei unterschiedliche Weisen verteilt werden. Entweder man drückt sie Leuten direkt in die Hand oder man legt sie an öffentlichen und möglichst auffälligen Orten aus. Bei beiden Methoden ist es wichtig, dass der Flyer binnen Sekundenbruchteilen ins Auge sticht und die Aufmerksamkeit des Betrachters erregt. Tut er das nicht, wird er entweder gar nicht erst angenommen bzw. mitgenommen oder gleich wieder weggeworfen.

Damit der eigene Flyer nicht in der Masse untergeht, sollte man sich erst mal ansehen, in was für einem Umfeld der eigene Flyer auf was für eine Konkurrenz trifft.

In den beiden Beiträgen über das Konzept von „42 Swing Time“ und über die ersten Zahlen des Experiments hab ich erläutert, dass unsere Zielgruppe vor allem Schüler aus Ahrensburg und Umgebung und Kunden des 42 sind. Daher kann man ganz gut abschätzen, mit was für anderen Flyern unsere Flyer wohl konkurrieren.

Wenn man sich die Flyer, die im 42 oder in Ahrensburger Geschäften so ausliegen, ankuckt, sind das überwiegend Flyer, die von mehr oder weniger talentierten Schülern für ihre Abipartys zusammengebaut wurden. Des Weiteren gibt es noch ein paar professionellere Flyer, die für R’n’B oder Elektropartys in den umliegenden Großraumdiskos werben.

Wenn man sich für die Gestaltung von Flyern interessiert, sollte man immer mit offenen Augen durch die Geschäfte und die Stadt gehen und im Auge behalten, wie andere Leute ihre Flyer designen.

2. Er muss Emotionen wecken

Flaming Cat

Flaming Cat (Quelle: http://pshoudini.deviantart.com)

Das der Flyer dem potentiellen Kunden auffällt ist das Eine. Der nächste wichtige Schritt ist, dass das Interesse des Betrachters so weit geweckt wird, dass sie oder er den Flyer in die Hand nimmt und ankuckt.

Das mag erst einmal simpel und trivial klingen, ist aber eigentlich der schwierigste Schritt von allen.

Wenn man mal überlegt, wie viele Flyer und Infoblätter man jeden Tag zu sehen bekommt, ist der Anteil derer, die man wirklich wahrnimmt schon ziemlich gering. Wenn man dann davon nur die zählt, die man tatsächlich in die Hand und mitgenommen hat, ist das Verhältnis sehr sehr ungünstig.

Was einen dazu motiviert, einen Flyer mit zu nehmen ist natürlich bei jedem individuell. Meiner Erfahrung nach ist es aber immer hilfreich, wenn man beim Betrachter Emotionen weckt. Welche man ansprechen will, hängt ganz von der zu bewerbenden Veranstaltung ab.

Bei den Metalkonzerten von Mosh’n’Roll beispielsweise setzen wir ganz stark auf den Schock- und/oder Ekelmoment, da das die Zielgruppe für diese Konzerte positiv anspricht.

Mosh'n'Roll Flyer

Mosh'n'Roll Flyer (Quelle: arne / Mosh'n'Roll)

Das wir es uns mit solchen Flyern mit Leuten außerhalb der Zielgruppe gründlich verderben, nehmen wir dabei hin, da die für uns in dem Moment sowieso nicht relevant sind.

Man muss sich überlegen, mit welchen Mitteln man bei der eigenen Zielgruppe positive Emotionen und Neugierde erwecken kann und diesen Weg dann auch konsequent verfolgen.

3. Man muss ein Bild der Veranstaltung erschaffen

Stimmungsflyer

Stimmungsflyer (Quelle: holly-molly.net)

Wenn man es geschafft hat, dass jemand sich den eigenen Flyer ankuckt, ist schon die größte Hürde überwunden. Damit sich der Betrachter nun aber später auch an die beworbene Veranstaltung erinnert, ist es meiner Erfahrung nach am wichtigsten, dass im Geist des Betrachters ein Bild davon entsteht, was ihn auf dieser Veranstaltung erwartet.

Nur so festigt sich der Eindruck und beim potentiellen Kunden wird der Wunsch geweckt die Veranstaltung zu besuchen.

Ihr könnt das relativ einfach nachvollziehen, wenn ihr euch den Mosh’n’Roll-Flyer oben nochmal ankuckt. Ich habe zwar vorweg genommen, dass der für ein Metalkonzert wirbt, aber das ist ja noch relativ vage.

Nehmt euch ein paar Sekunden Zeit und stellt euch vor, ihr würdet dieses Konzert besuchen. Wie ist die Musik, die dort gespielt wird?

Habt ihr einen Eindruck im Kopf? Dann könnt ihr das hier überprüfen. Dies ist eine der Bands des Konzerts, für das der Flyer warb.


YouTube Direktchaos

Ich würd mich sehr über Kommentare freuen, wie gut das Bild in eurem Kopf mit der Aufnahme oben zusammengepasst hat!

Wichtig ist, sich für die Allgemeinheit de-kodierbare Stilelemente und Symbole zu suchen, die beim Betrachter sofort Assoziationen zum Thema der Veranstaltung wecken. Man sollte sich also immer gründlich mit dem Thema befassen, bevor man mit der Gestaltung beginnt.

4. Informationen

Infos auf Flyer

Infos auf Flyer (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Man kann noch so schöne Flyer bauen. Wenn dem Gast nicht klar ist, was wann wo stattfindet, nützt auch die beste Aufmachung nichts.

Informationen, die meiner Meinung nach auf jeden Flyer gehört sind:

  • Was findet
  • Wann
  • wo statt.
  • Was für ein Thema / Was für Musik kann man erwarten?
  • Was kostet der Eintritt?
  • Wo findet man ggf. weitere Informationen?

Dann hat das 42 noch eine Besonderheit. Es ist eine Vorgabe des Ladens, dass man sich offen gegen Rechtsextremismus ausspricht. Zu diesem Zweck muss auf jedem Flyer der Ausdruck

  • Love Music, Hate Fascism

zu finden sein, wobei diverse Abwandlungen erlaubt sind.

Ganz wichtig ist, dass man alle Infos nochmal überprüft, BEVOR man den Flyer in den Druck gibt! Es ist schon sehr ärgerlich, wenn man erst auf der gedruckten Version feststellt, dass man sich bei Bandnamen, Eintrittspreisen, Adressen oder Daten vertippt oder geirrt hat. Das kann im Zweifelsfalle richtig Geld kosten und passiert ganz leicht mal. Ich spreche da aus Erfahrung…

Erst alle Informationen zusammentragen und abklären, dann Flyer bauen! Unbedingt mindestens eine weitere Person Korrekturlesen lassen.

Was bei der Gestaltung zu berücksichtigen ist

Nachdem die Grundlagen geklärt sind, stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten man hat um diese auch umzusetzen. Wie bei allen gestalterischen Aufgaben gibt es auch bei Flyern zunächst die üblichen Verdächtigen:

  • Farbe
  • Bilder
  • Grafiken
  • Texturen
  • und Typografie

Da wir hier von einem Print-Produkt sprechen, gibt es noch ein paar weitere Variablen, mit denen wir das Erscheinungsbild des Flyers beeinflussen können:

  • Grammatur
  • Oberfläche
  • Format
  • möglicherweise Veredelungen

Da wir ja, wie schon in der Vorstellung des Experiments „42 Swing Time“ beschrieben haben, möglichst günstig arbeiten müssen, spielt auch die gedruckte Auflage eine Rolle.

Da ich ungern Dinge doppelt und dreifach mache, leg ich in der Regel zuerst fest, wie der Flyer beschaffen sein soll. Unterschiedliche Formate bedeuten ganz automatisch, dass der Flyer anders gestaltet werden muss. Was in Din A6 passend und stimmig wirkt, muss längst noch nicht automatisch auch in Din A5 funktionieren.

Auch muss man schon beim Konzept eines Flyers berücksichtigen, dass sich gestrichenes Papier ganz anders verhält als ungestrichenes. (Wem die beiden Begriffe nichts sagen, der kuckt am besten mal kurz bei Laseline nach.) Dabei geht es mir nicht nur um Dinge wie Farbannahme usw., sondern vor allem um die Haptik, also das Gefühl beim in die Hand nehmen und Anfassens des Flyers.

Als haptische Wahrnehmung (griech.: haptόs „fühlbar“, haptikόs „zum Berühren geeignet“) bezeichnet man das aktive Erfühlen von Größe, Konturen, Oberflächentextur, Gewicht usw. eines Objekts durch Integration aller Hautsinne und der Tiefensensibilität. Die Gesamtheit der haptischen Wahrnehmungen erlaubt es dem Gehirn, mechanische Reize, Temperaturreize und Schmerz zu lokalisieren und zu bewerten.

Die Lehre von der haptischen Wahrnehmung wird als Haptik bezeichnet.

Wikipedia

Nimmt man einen Flyer aus ungestrichenem Papier und einen aus gestrichenem Papier in die Hand, spürt man den Unterschied sehr deutlich. Allein dieses Gefühl beeinflusst schon, wie der Betrachter den Flyer wahrnimmt und damit den Gesamteindruck.

Da wir unsere Flyer viel in Bars und Kneipen verteilen, haben wir noch einen ganz entscheidenden Unterschied festgestellt. Grade in solchen Lokalen kippt auch mal was um, es läuft was über und die Leute haben feuchte Finger. Flyer aus ungestrichenem Papier haben die unangenehme Eigenschaft das Wasser auf zu saugen und sich dann relativ schnell auf zu lösen. Sie werden weich, wabbelig und sehen sehr schnell sehr unansehnlich aus. Und solche Flyer nimmt niemand mehr mit.

Auch mögliche Veredelungen sollte man bereits beim Konzept des Flyers beachten. Dies sind beispielsweise Sonderfarben, Lacke, Geruchsstoffe, Prägungen, Stanzungen oder Kaschierungen. Da diese das Design des Flyers maßgeblich beeinflussen können, muss man diese beim Konzept bereits mit einplanen.

Westermann Druckerei 1890

Westermann Druckerei 1890 (Quelle: Wikipedia)

Eine ebenfalls sehr große Rolle spielt die Wahl der Druckerei. Eine gute Druckerei kann fast jeden Wunsch irgendwie realisieren. Es ist dann eben einfach nur eine Frage des Preises. Um so mehr die eigene Idee von den gängigen Standards abweicht, um so teurer wird es natürlich.

Bei einem Projekt wie diesem, bei dem wir sehr kostenbewusst handeln müssen, kommen extravagante Sonderwünsche eigentlich gar nicht in Frage. Normalerweise plane ich für Flyer zwischen 50€ und  60€ ein. Da kommen dann nur noch die sogenannten Internetdruckereien in Frage, aber auch da bekommt man mittlerweile einiges für sein Geld geboten und die Qualität ist längst nicht mehr so schlecht, wie alteingesessene Drucker gerne behaupten.

Ich persönliche bevorzuge flyeralarm.de, einfach aus Gewohnheit. Ich habe auch schon bei flyerwire.de Dinge drucken lassen und war damit auch zufrieden. Ein ziemlich großes und vielfältiges Angebot bietet z.B. Wir-Machen-Druck.de, allerdings habe ich mit denen selbst noch keine Erfahrungen gemacht. Darüber hinaus gibt es aber auch noch diverse weitere ähnliche Angebote, die man leicht über Suchmaschinen findet.

Das Format und die Oberfläche

Normalerweise fange ich also damit an die Produktpalette der Druckerei zu studieren. Die Überlegung dabei ist:

Wie mache ich den Flyer möglichst schon beim Format und der Oberfläche einzigartig, ohne dabei arm zu werden?

In der Regel kommt dabei ein Kompromiss heraus. Der Flyer für „42 Swing Time“ sollte eine edle aber nicht zu abgehobene Anmutung haben. Ungestrichenes Papier kam damit also von vorne herein nicht mehr in Frage. Eher spannend wurden dadurch aber Veredelungen. Da diese aber auch gleich den Preis nach oben treiben, muss ich dem mit der Auflage etwas entgegen kommen.

Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass man sich schon richtig ins Zeug legen muss, um 5.000 Flyer zielgerichtet zu verteilen. Unter 1.000 muss man allerdings gar nicht erst anfangen. Die wird man dann doch ziemlich schnell los. Derzeit fahren wir mit einer Auflage von 2.500 Flyern eigentlich recht gut. Man kann ziemlich viel abdecken und es bleibt nur ein kleiner Rest über.

Am liebsten hätte ich Flyer mit Silber als Sonderfarbe gemacht. Leider bietet Flyeralarm das nicht mehr an und bei anderen Druckereien hätte das das Budget gesprengt. Die nächste Überlegung war, ob man partiellen UV-Lack nimmt. Dabei werden einzelne Stellen des Flyers mit einem sehr glänzenden durchsichtigen Lack überdruckt. Dadurch stechen diese Stellen optisch und haptisch hervor. Bei dem Mosh’n’Roll-Flyer weiter oben haben wir das gemacht und das sah ziemlich beeindruckend aus!

Leider funktioniert das nur bei Flyern, die ansonsten auf ungestrichenem Papier gedruckt werden, da sich sonst der Lack nicht deutlich genug abhebt. Aber ungestrichenes Papier ist ja bereits raus.

Dann bin ich auf die Möglichkeit von beidseitig ganzseitigem UV-Lack gestoßen. Im Grunde ist das wie der partielle UV-Lack, aber eben über die ganze Fläche. Dadurch wird die gesamte Oberfläche sehr glatt und ist vollflächig versiegelt. Es heben sich zwar keine einzelnen Elemente hervor, allerdings sieht man den Unterschied zu gestrichenem Papier sehr deutlich, da der UV-Lack viel glänzender ist. Ein zusätzlicher Effekt ist, das durch die Lack die Farben viel brillianter wirken, was den angestrebten Look nur verstärkt.

Nun kam die eigentlich schwierigste Entscheidung im gesamten Gestaltungsprozess: Welches Format?

Flyeralarm.de bietet diverse unterschiedliche Formate an, von denen ich ein paar (A7, A6, A5, Din lang, quadratisch groß) schon selber ausprobiert habe. Jedes Format hat seine Daseinsberechtigung. Es muss nur richtig auf den Einsatzzweck abgestimmt sein.

Das gängigste Format für Flyer ist mit Sicherheit Din A6. Das allein war schon ein Grund dafür, das nicht zu wählen. Unser Flyer soll sich ja schließlich abheben. Außerdem: Denkt mal an den Moment zurück, als ihr das letzte Mal einen Flyer in A6 in die Hand bekommen habt. Ihr werdet ihn euch als erstes angesehen haben. Wir gehen jetzt mal davon aus, dass ihr ihn interessant genug fandet, um ihn mitzunehmen. Was werden wohl mindestens 80% dann gemacht haben?

Falz

Falzen (Quelle: http://www.braaschdc.de)

Meiner Beobachtung nach steckt sich kaum einer einen A6-Flyer einfach so ein. Die Allermeisten falten ihn mindestens einmal, da er im Format Din A7 deutlich handlicher ist. Kaum jemand wird beispielsweise einen A6 Flyer ins Portemonnaie bekommen. Bei A7 stehen die Chancen deutlich besser. Hinzu kommt, dass kaum ein Din A6 Flyer heil wieder aus einer Tasche raus kommt. Um so größer die Fläche, um so leichter kommen (unabsichtlich) Knicke und Risse rein. Das macht so einen Flyer nicht grad hübscher, aber genau das soll er ja sein, da er ja ein positives Bild vermitteln soll.

Allerdings darf so ein Flyer auch nicht zu klein werden, da wir ja auch einiges an Informationen transportieren müssen. Außerdem brauch man auch einen gewissen Gestaltungsspielraum, um Elemente unterbringen zu können, die die Atmosphäre erzeugen und Emotionen wecken können. Auf Din A7 hat man deutlich mehr Platz für Bilder, Texte oder Grafiken als auf einer Briefmarke.

Eine Option wäre noch gewesen, dass man einen Flyer mit mehr als zwei Seiten baut. Auch da bieten fast alle Internetdruckereien diverse Möglichkeiten und Formate an. Allerdings wird das dann auch wieder teurer und passt daher einfach finanziell nicht mehr zu diesem Projekt.

So viel die Wahl nach gründlicher Überlegung auf Din A7, doppelseitig UV-lackiert in 300g.

Damit hat man einen sehr hochwertig wirkenden und vor allem auch sehr stabilen Flyer in einem handlichen und praktischen Format zu einem zu diesem Projekt passenden Preis.

Überlegt euch für jedes Projekt aufs Neue, welche Qualitäten der Flyer mitbringen muss. Schaut vor allem auch abseits des Din A6 200g Standards, denn damit könnt ihr schon, ohne einen einzigen Rasterpunkt gestaltet zu haben, dafür sorgen, dass der Flyer sich von der Masse abhebt. Die Gestaltung des Flyers beginnt weit vor Photoshop und InDesign.

Das Motiv

Nachdem die Rahmenbedingungen jetzt feststanden, ging es ans eigentliche Motiv.

Wie nicht anders zu erwarten, gab es auch hier einige Vorüberlegungen, die sich aus den Kriterien des Konzepts ableiten. Der Flyer soll:

  • auffallen
  • ansprechend sein
  • neugierig machen
  • hochwertig wirken und dadurch das Gefühl vermitteln, dass die Veranstaltung hochwertig sei
  • das Gefühl vermitteln, dass die Veranstaltung etwas Einzigartiges und bisher noch nicht Dagewesenes sei
  • deutlich machen, dass es um wirklich alte Musik geht
  • das „42 Swing Time“-Logo enthalten
  • zu den Bannern auf der facebook-Seite und dem Blog passen
  • alle oben genannten wichtigen Eckdaten zur Veranstaltung enthalten

Dadurch, dass es bereits die Banner bei facebook und auf dem Blog gibt, ist eine grobe Richtung für das Design bereits vorgegeben.

42 Swing Time Blog

42 Swing Time Blog (Quelle: www.42SwingTime.de)

Das „42 Swing Time“-Logo existiert auch bereits. An diesem Punkt macht sich vorausschauende Planung bezahlt. Da alle drei Teile des Puzzles bereits darauf ausgelegt sind den Stil der Veranstaltung zu vermitteln, gibt es keinerlei Probleme existierende Elemente einfach zu übernehmen. Es entsteht kein Konflikt zwischen den bereits bestehenden Elementen und der Zielsetzung des Flyers. Das bestehende Design muss bloß auf den Flyer angewandt werden.

Bisher genutzte Stilelemente sind:

  • das Logo
  • die Farbe Lila
  • die Schriften Dream Orphan und Effloresce
  • die Textur im Hintergrund
  • die Verwendung von historischen Bildern

Nun müssen die einzelnen Teile „nur noch“ zusammengesetzt werden.

In der Regel baue ich Flyer rein in Photoshop. Mit Illustrator bin ich noch nie wirklich warm geworden und versuche es zu meiden wo ich nur kann. Da ich nicht mit langen Texten hantiere, brauche ich die Funktionen zur Textbearbeitung, die InDesign bietet, Photoshop aber nicht, eigentlich nicht. Da der Lehrbuchweg allerdings der wäre, Bilder in Photoshop zu bearbeiten, Vektorgrafiken in Illustrator zu erstellen und das alles in InDesign zusammen zu bringen, wollt ich das hier auch mal ausprobieren.

Ich kann vorweg sagen, dass ich es zwar nicht so umständlich fand, wie ich gedacht hätte, zukünftig dennoch wohl eher bei Photoshop bleibe, vorausgesetzt natürlich, es gibt keine längeren Texte. In solchen Fällen kommt man an InDesign natürlich nicht vorbei.

Der Hintergrund

Leider hatte ich die Textur, die ich für die beiden Banner benutzt habe, nicht mehr. Ich musste also von vorne anfangen. Da die damals auch eher spontan entstanden ist, wollt ich die Chance nutzen, sie diesmal auch „gründlich“ zu machen und ein paar Varianten auszuprobieren. Im Grunde besteht sie aus vielen einzelnen Kreisen, die sich in gegeneinander verschobenen Reihen überlagern.

Der erste Schritt war also die perfekte Form dieser Kreise zu finden. Dazu habe ich einfach mit verschiedenen Strichstärken und Abständen herumprobiert.

Basiselement für die Hintergrundtextur

Basiselement für die Hintergrundtextur (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Hier war es wirklich praktisch das in Illustrator zu machen. Eine mir bis vor Kurzem noch völlig unbekannte Funktion von Illustrator lässt einen da sehr schnell arbeiten: Mehrfache Outlines. Die Kreise bestehen jeweils nur aus einem Kreis, der verschiedene, übereinanderliegende Outlines hat. Wie man in dem Bild sieht, erreicht man diese Funktion über das „Aussehen“-Fenster. Wichtig ist, dass sich die Outlines gegenseitig überlagern. Die kleinste bzw. innerste muss also oben liegen. Für Ringe weiter außerhalb legt man einfach dickere Outlines schichtweise darunter.

Nachdem ich nun also ein paar unterschiedliche Basiselemente hatte, habe ich sie testweise zu kleinen Texturen zusammengefügt, um zu sehen, welches Element das ansprechendste Muster erzeugt.

Unterschiedliche Testmuster

Unterschiedliche Testmuster (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Für mich war der Gewinner eindeutig Kreis #3, da das Muster zwar filigran wirkt, aber noch deutlich sichtbar ist. Es wirkt eleganter als die anderen drei. Mein zweiter Platz wäre Kreis #4 gewesen, allerdings wirkt der im direkten Vergleich etwas zu unruhig und unausgewogen. Man muss ja im Hinterkopf behalten, dass das hier nur die Hintergrundtextur werden soll, die zwar den Gesamteindruck maßgeblich beeinflusst, aber nicht von den eigentlichen Inhalten ablenken soll.

Um mir nicht vorwerfen zu lassen, ich wäre nicht gründlich genug gewesen, habe ich mit dem auserwählten Basiselement noch ein paar weitere Texturvarianten gebaut. Entscheidend hierbei war der Abstand und der Versatz der Reihen zueinander, da sich dadurch das Muster, das die Kreise bilden, beeinflussen lässt.

Varianten der Hintergrundtextur

Varianten der Hintergrundtextur (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Auch wenn Nummer drei so richtig schön nach 70er-Jahre-Tapete aussieht, ist es dann doch die erste Version geworden, da sie dem von mir angestrebten „Art Decó“-Eindruck am nähsten kommt. Die fertige Textur sieht also so aus:

Endgültige Hintergrundtextur

Endgültige Hintergrundtextur (Quelle: arne / 42SwingTime)

Da ich den Flyer ja in InDesign bauen wollte, habe ich diese Textur nun auf der Musterseite eingebaut.

Hintergrund der Musterseite in InDesign

Hintergrund der Musterseite in InDesign (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Ganz unten liegt ein Rahmen mit einem Verlauf von einem dunklen zu einem hellen Lila. Darüber liegt ein Rahmen mit der Textur. Der Ebenenmodus der Textur steht auf „Multiplizieren“ und die Deckkraft wurde auf 30% verringert. Dadurch gehen Farbverlauf und Textur eine geschmeidige Symbiose ein. Beide Teile sind noch gut erkennbar, wirken aber wie aus einem Guss.

Flyeralarm.de möchte für seine Flyer keinen extra angelegten Beschnitt, sondern die Datei gleich in der Größe Endformat+Beschnitt. Daher ist dort kein extra Beschnittsbereich zu sehen. Der Satzspiegel markiert in diesem Fall den „sicheren Bereich“, für den Flyeralarm.de garantiert trotz Toleranzen beim Zuschneiden nicht hinein zu schneiden.

Die Front

Die Front war relativ unkompliziert.

Um den angestrebten hochwertigen, edlen, aber auch etwas altmodischen Eindruck zu erwecken, war es  mir wichtig, dass die Front ordentlich und aufgeräumt aussieht. Es sollten dort keine wilden Spirenzchen stattfinden, sondern es sollte auf den ersten Blick ein Eindruck davon entstehen, was den Besucher dieser Veranstaltung erwartet.

Außerdem war mir wichtig, dass das Logo so groß wie möglich ist, vor allem mit dem Hintergedanken, dass das Logo im Falle einer Veranstaltungsserie, eines der Elemente sein wird, dass unverändert als Wiedererkennungsmerkmal erhalten bleibt. Auch hier machte es sich bezahlt, dass ich dieses Ansinnen bei der Erstellung des Logos bereits berücksichtigt habe. Würde die „42“ nicht über dem Schriftzug sitzen, sondern links daneben, wäre das Logo deutlich breiter. Da der Platz in der horizontalen ja begrenzt ist, hätte das Logo in diesem Fall insgesamt deutlich kleiner werden müssen.

Hier ein paar Evolutionsschritte der Front:

Entwicklung der Front des "42 Swing Time"-Flyers

Entwicklung der Front des "42 Swing Time"-Flyers (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Die wichtigsten Schritte waren die Vignettierung des Hintergrunds, das Bearbeiten des Bildes und die Veränderungen des Schattenwurfs des Logos. Ausschlaggebend dafür war, dass die Front möglichst kontrastreich werden sollte, damit sie eben möglichst auffällig und prägnant wirkt. Außerdem entsteht so noch ein Eindruck von räumlicher Tiefe und Perspektive, was meiner Meinung nach den allermeisten Printprodukten gut tut. Durch den Klarlack, der ja nach dem Druck noch über den Flyer kommt, wirken die Farben noch deutlich satter und brillianter als am Monitor.

Die Daten zum Tag und der Uhrzeit finden sich in diesem Fall auf der Vorderseite, da ich alle Informationen für den Betrachter auf einen Blick erkennbar haben wollte. In diesem Fall sind sie als eine Art Halbsatz formuliert, da dies deutlich wertiger wirkt, als wären sie einfach durch Binde- oder Schrägstriche getrennt. Bei den Flyern, die sonst so kursieren, sind die Daten eher als einzelne Blöcke formatiert. Dagegen wirkt so ein Halbsatz eher altmodisch, was ja genau der Eindruck ist, der erzeugt werden soll.

Das Foto ist ein lizenzfreies Stockfoto, das ich auf DeviantArt.com gefunden habe. Leider habe ich den Link direkt zum Bild nicht mehr. Ich habe mich für dieses Bild entschieden, da ich unbedingt ein Pärchen auf dem Flyer haben wollte. Mein erster Impuls war ein tanzendes Pärchen zu nehmen. Es zeigt sich aber, dass das den aufgeräumten und ruhigen Charakter der Front gestört hätte. So bin ich schlussendlich bei diesem gelangt. Es hat sich gezeigt, dass es seiner Funktion als Eye-Catcher gerecht wird, da sich die Front grade durch das eher ruhige Motiv deutlich von dem abhebt, was die potentiellen Gäste von Flyern gewohnt sind. Außerdem hat es den angenehmen Effekt, dass das Foto ganz besonders Frauen anspricht, was ja unseren Plan bezüglich der Zielgruppe unterstützt.

Unter dem Gesichtspunkt der Veranstaltungsserie wäre das Bild eines der Elemente, die man variieren könnte, damit sich die Flyer unterschiedlicher Teile der Serie deutlich voneinander abgrenzen.

Da hier auch Leute mitlesen, die in Photoshop nicht ganz so versiert sind, ein kurzer Exkurs wie das mit dem freistehenden Pärchen vor dem transparenter werdenden Hintergrund funktioniert:

Freisteller für die Front des "42 Swing Time"-Flyers

Freisteller für die Front des "42 Swing Time"-Flyers (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Das Bild besteht eigentlich aus zwei Ebenen. Die erste (links) verläuft von sichtbar nach transparent. Darüber liegt eine zweite (Mitte), die nur das vom Hintergrund befreite Pärchen enthält. Legt man diese beiden nun deckungsgleich übereinander (rechts), verläuft der Hintergrund ins Transparente, die Personen allerdings bleiben sichtbar.

Ich habe das bei dem Flyer so gemacht, da ich wollte, dass man noch einiges von dem Hintergrund sieht, da dieser ja ein wichtiges Stilelement ist. Auch sollte sich das Paar harmonisch in den Flyer einfügen. Allerdings sollte es eben auch eindeutig erkennbar bleiben. Da nun der Hintergrund langsam in die Textur übergeht, klappt das ganz gut, finde ich.

Insgesamt sehen die Elemente der Vorderseite so aus:

Endgültige Konstruktion der Vorderseite

Endgültige Konstruktion der Vorderseite (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Die Rückseite

Die Rückseite war deutlich komplizierter als die Front, da ich einige Versuche gebraucht habe, bis ich raus hatte, wie genau ich die einzelnen Elemente anordnen muss, damit ein harmonisches Gesamtbild entsteht. Am besten sieht man das vermutlich im Verlauf der einzelnen Entwicklungsschritte.

Evolution der Rückseite des "42 Swing Time"-Flyers

Evolution der Rückseite des "42 Swing Time"-Flyers (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Lange Zeit war ich der Meinung, dass auch die Rückseite ein Bild bräuchte und das ein Grammophon da das richtige sei. Allerdings habe ich es nicht so hin bekommen, dass es für mich gut aussah. Den Ausschlag gab dann eine gute Freundin (Schöne Grüße und vielen Dank an Krissi an dieser Stelle), der ich den Stand der Dinge mit der Bitte um Kritik schickte und die sofort sagte, dass das Grammophon da nicht richtig aussehe.

Als ich das dann raus nahm, sah es plötzlich alles viel besser aus. Der nächste wichtige Schritt war dann der Wechsel von „Effloresce“ auf „Orphan Dreams“ als Schrift, da die „Orphan Dreams“ als Display-Schrift den Swing- und Jazz-Charakter deutlich besser trifft. Außerdem wurde die Schrift noch ein wenig größer und auch den Zeilenabstand habe ich erhöht. Dadurch wirkt die Seite meiner Meinung nach viel eindeutiger und deutlich strukturierter. Ich denke, dass nun auf den ersten Blick klar wird, welches die wichtigen Elemente sind und worauf es ankommt. Der Feinschliff war dann auch bei dieser Seite die Vignette, der Schatten und ein paar typographische Feinheiten.

Die Konstruktion der Rückseite sieht dann letztendlich so aus:

Konstruktion der Rückseite

Konstruktion der Rückseite (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Im Falle einer Veranstaltungsserie wären die fixen Element mit Sicherheit der Slogan „Dance Swing, Hate Fascism“ und die Anordnung der einzelnen Elemente. Ändern könnte sich möglicherweise der kleine Beschreibungstext ganz oben und die vorgestellten Musikrichtungen, je nach dem wie wir bei einer Fortsetzung den Schwerpunkt legen würden.

Das Endprodukt

Fertige Version des "42 Swing Time"-Flyers

Fertige Version des "42 Swing Time"-Flyers (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Der fertige Flyer gedruckt

Der fertige Flyer gedruckt (Quelle: arne / 42SwingTime.de)

Der Flyer ist nun schon seit einiger Zeit im Umlauf. Demnach, was ich bisher so an Rückmeldungen bekommen habe, scheint das Konzept aufzugehen. Ich selbst bin jedenfalls sehr mit dem Endprodukt zufrieden.

Leider gibt es einen Punkt, den wir erst bemerkt haben, als wir den Flyer bereits fertig in den Händen hielten. Und zwar gibt es ein Problem mit der vollflächigen Lackierung. Der Flyer ist mit Din A7 ja bereits verhältnismäßig klein. Kommt nun aber doch jemand auf die Idee den falten zu wollen, springt der Lack die ganze Falzkante entlang und sorgt für einen sehr harten Bruch. Das ist so stabil, dass sich der Flyer schon nach einmaligem Knicken nicht mehr von selbst aufklappt. Außerdem ist die Bruchkante sehr deutlich zu sehen. In diesem Format halte ich das zwar für unschön, aber noch vertretbar, da er selten geknickt wird. Für größere Formate werde ich aber auf keinen Fall eine vollflächige Lackierung wählen.

Ich hoffe ihr fandet diesen Einblick in den Entstehungsprozess dieses Flyers interessant. Über Kritik, Anregungen oder Lob in den Kommentaren freue ich mich natürlich. Besonders gespannt bin ich auf Resultate des kleinen Experiments, ob die Musik aus der Vorstellung mit der tatsächlichen Musik zusammen passt.

Wer keinem der diversen Links zu den anderen Teilen des Experiments „42 Swing Time“ gefolgt ist oder einfach nochmal alle Teile auf einen Blick haben möchte, findet diese unter dem Tag „42 Swing Time“. Wer sich für die Veranstaltung und die Musik an sich interessiert, sollte sich den Swing Time Blog ankucken, Fan der „42 Swing Time“-Facebookseite werden und natürlich zur Veranstaltung selbst kommen!

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