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Sadam_Karte

Abgefahrene Kartenspiele

Geschrieben am 12.12.2011 von Arne K.

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Ob Poker, Mau Mau oder Skat. Mit Spielkarten hat mit Sicherheit jeder schonmal hantiert. Wer wissen will, wie das mit Saddam Hussein, Motörhead, Typografie und Design zusammenhängt, muss weiterlesen.

Der Saddam stammt aus einem Kartenspiel namens “Personality Identification Playing Cards“, dass vom US Verteidigungsministerium an Soldaten im Irak verteilt wurde. Auf den Karten zu sehen sind insgesamt 55 gesuchte Würdenträger aus dem Irak. Ziel war es, dass sich die Soldaten die Gesichter besser einprägen und so die Gesuchten im Alltag schneller wiedererkennen würden. Eine Liste aller Karten gibt es beim US Verteidigungsministerium.

Nunja…

Hätten wir den Saddam abgehakt und kommen wir zum Lemmy, der das wohl berühmteste Liede der Welt übers Kartenspiel, besonders über das Pik Ass geschrieben hat. Da es im folgenden um Kartenspiele gehen wird, darf der Song an dieser Stelle natürlich nicht fehlen.

Hier in der großartigen Akkustik-Version:


YouTube Direktace

Nun aber zum eigentlichen Inhalt. Ich mag Kartenspiele. Deshalb zeige ich euch hier ein paar ganz besondere Exemplare, von verschiedensten Designern entworfen, die mich alle wegen irgendwas fasziniert haben.

Typocards von “Teasing Design”

Typografie Kartenspiel von Teasing Design

Typografie Kartenspiel von Teasing Design

Dieses Kartenspiel setzt auf typographische Elemente, kombiniert mit Bildmarken. Es kommt daher im schlichten Schwarz-Weiss-Rot-Design und wurde von “Teasing Design” entworfen. Auf der Website gibt es noch ein paar weitere Bilder, unter anderem auch von der sehr hübsch gemachten Rückseite der Karten.

Fasziniert an diesem Kartenspiel hat mich, wie spielerisch die Werte der einzelnen Karten durch den Einsatz von Typo als Bildelement umgesetzt wurden.

Typocards von Hat-Trick

Typografie Kartenspiel von Hat-Trick

Typografie Kartenspiel von Hat-Trick

Obwohl es hier wieder um Typografie geht, verfolg “Hat-Trick” einen ganz anderen Ansatz. Hier war das Ziel mittels der Schrift der Symbolik der Karten möglichst nahe zu kommen, wie man z.B. hervorragend bei der Pik 5 oben sehen kann, bei der das Pik aus zwei Fünfen besteht. Als wäre das nicht schon aufwändig genug, hat sich der Gestalter Jim Sutherland selbst noch die Bürde auferlegt jede Schrift nur genau einmal zu nutzen.

Leider gibt es auf der Website von Hat-Trick keine Übersicht über alle Karten und auch keine weitere Beschreibung zu dem Projekt, aber man findet beides z.B. hier. Außerdem gibt es alle Karten auch noch in einem Video:


YouTube Direkttypo

Ich glaube mit diesem Kartenspiel könnte man sich wochenlag beschäftigen, bis man wirklich alles entdeckt hat, was hier an Feinheiten eingebaut wurde. Wie kreativ die Zahlen zu Symbolen kombiniert wurden, ist einfach großartig!

Typocards von Michelle Lam

Typografie Kartenspiel von Michelle Lam

Typografie Kartenspiel von Michelle Lam

Bei diesem Kartenspiel ist das Medium “Spielkarte” eher Mittel zum Zweck. Eigentlich ging es der Designerin Michelle Lam darum Leuten die Feinheiten der Typografie näher zu bringen. Auf jeder Karte finden sich Regeln zur Gestaltung von und zum Umgang mit Schrift.

Die Themen sind dabei nach Farbe sortiert. Bei Pik geht es um die Anatomie und den Aufbau von Schrift, bei Herz um Schriftklassifikation, bei Karo ums Setzen von Schrift und die Kreuz-Karten tragen Informationen über Glyphen. Auf ihrer Website gibt es noch einige Bilder mehr, auch von der ziemlich coolen Verpackung.

Damit wird dieses Spiel zu einem praktischen Nachschlagewerk, das meiner Meinung nach auch noch verdammt gut aussieht! Wenn man bedenkt, wie wenig Platz man eigentlich auf so einer Karte zur Verfügung hat, ist es erstaunlich wie viele Informationen sie untergebracht und dabei trotzdem einen sehr eleganten Look hinbekommen hat.

Helveticards von Ryan Myers

Helveticards von Ryan Myers

Helveticards von Ryan Myers

Helvetica trifft Minimalismus-Design trifft Spielkarten.

Heraus kommt ein Kartenspiel, das man so bestimmt noch nie gesehen hat. Das Ganze hat eine leichte Kalenderanmutung, aber irgendwie hat mich die Gestaltung von Ryan Myers gleich beim ersten Mal drüberkucken gefesselt. Das Design ist zwar simple, aber dennoch unglaublich effektiv was den Transport des Inhalts angeht. Alles sieht so aus, als müsste es genau da sein, wo es auf der Karte ist.

Besonders gut gefallen mir die leicht angeschnittenen Zahlen und das zusätzliche Darstellen des Werts durch die Anzahl der Symbole.

Wer so ein Spiel haben möchte, bekommt es bspw. hier.

Kartenspiel von Savas Ozay

Spielkarten von Savas Ozay

Spielkarten von Savas Ozay

Wieder einen Schritt mehr in Richtung Grafik geht der türkische Designer Savas Ozay.

Leider findet man im Netz nicht wirklich was dazu, warum und wieso er die Karten so gestaltet hat. Auf seiner Website tauchen sie noch nichtmal auf. Das ändert aber nichts daran, dass die Karten mit ihren minimalistischen Design und dem stark geometrischem Aufbau wunderschön daher kommen.

Was mich an den Karten besonders begeistert, ist die kleine Typo zwischen den dünnen Linien, in denen einfach ausgeschrieben der Name bzw. Wert der Karte steht. Dies ist so ein kleines Detail, aber es verstärkt unheimlich gut den sehr technischen Look der Karten.

Barebone Cards von Mattia Castiglioni

Barebone Cards von Mattia Castiglioni

Barebone Cards von Mattia Castiglioni

Natürlich dürfen hier auch ein paar Totenschädel nicht fehlen. Diese stammen von Mattia Castiglioni, die sehr kontrastreich ein Schädelmotiv in Kupferstichoptik mit flächigen grafischen Formen kombiniert. Wie in dem Beispiel oben zu sehen fehlt es dabei auch nicht an einer ordentlichen Portion Humor.

Auffällig sind außerdem die Symbole für die einzelnen Spielfarben, die kurzerhand neu entwickelt wurden:

Spielfarben von Mattia Castiglioni

Spielfarben von Mattia Castiglioni

Auf der Website gibt es noch eine ganze Menge weiterer Bilder, die man sich unbedingt ansehen sollte, da dort alle vier Spielfarben einzeln vorgestellt werden.

Auch wenn man diese grafischen Stilmittel (Zeichnung, halbtransparente geometrische Flächen, grau-magenta, viel Weissraum) in letzter Zeit öfter mal gesehen hat und ich da eigentlich nicht so ein Fan von bin, klappt es in meinen Augen in diesem Fall ziemlich gut.

Etwas schade ist, dass die Nummernkarten allesamt für meinen Geschmack etwas zu spartanisch und lieblos daher kommen. So gut mir die neuen Symbole gefallen, reichen sie dennoch nicht, um das Design der Karten alleine zu tragen.

Typocards von Dashwood

Typocards von Dashwood

Typocards von Dashwood

Auch bei diesem Kartenspiel geht es um die Vorstellung von verschiedenen Schriften. Jede Zahl wurde in einer anderen Typo gesetzt und darunter findet sich jeweils eine kurze Beschreibung.

Die Illustrationen von König, Dame, Bube und Joker stellen Mitarbeiter von Dashwood dar. Produziert wurde dieses Kartenspiel als Weihnachtsgeschenk für Kunden. Wenn ich dann auch so eins bekomme, beauftrage ich die auch schnell für irgendwas…

Wie schon beim Set von Michelle Lam gefällt mir auch hier sehr gut, dass das Spiel auch einen praktischen Nutzen hat und man viele Beispiele für unterschiedliche Schriften bekommt, inkl. Erläuterung. Außerdem sticht der Stil der Illustrationen deutlich aus der Masse heraus. Die Zeichnungen gefallen mir sehr gut, denn auch wenn ich die Mitarbeiter nicht kenne, hat man sofort eine Vorstellung von deren wahrem Aussehen im Kopf. Natürlich sind die Bilder überzeichnet, aber sie schaffen den schmalen Grad nicht als bloße Karrikaturen zu enden.

Leider gibt es auf der Dashwood-Website keinerlei Infos zu dem Kartenspiel, allerdings hat glücklicherweise thedieline.com eine ganze Reihe weiterer Aufnahmen.

Supergirls Cards von GoodGirlArt

Supergirls von GoodGirlArt

Supergirls von GoodGirlArt

Nach all dem ganzen spartanischen Design noch ein bisschen was wohlgefälliges fürs Auge. Außerdem gibt es in unserem Blog bisher viel zu wenige nackte Frauen!

Hier also ein Kartenspiel von GoodGirlArt, das ich auf DeviantArt.com gefunden habe. Es besteht aus comicartigen Illustrationen berühmter leichtbekleideter weiblicher Superhelden und Filmprotagonistinnen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Illustrationen sind gut gemacht und jeder Figur wurde sogar ein eigener passender Hintergrund spendiert. Außerhalb lassen sich alle Figuren relativ leicht identifizieren. Nur bei dreien bin ich mir nicht ganz sicher.

Wie sieht es bei euch aus? Welches Kartenset gefällt euch am besten? Habt ihr noch bessere und/oder womöglich eigene Spielkarten?

Habt ihr alle “Frauen” erkannt?

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Kommentiere »Abgefahrene Kartenspiele«

  • Timo

    Die Helveticards würde ich sofort spielen!
    Hammer Dinger – ich möchte jetzt auch welche entwerfen:P

  • Timo

    Die Helveticards würde ich sofort spielen!
    Hammer Dinger – ich möchte jetzt auch welche entwerfen:P

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