Deutsche Fernsehlotterie

Pisser, Spanner, Giftmüllfässer – das neue Plakat der Deutschen Fernsehlotterie

Geschrieben am 21.05.2012 von Arne K.

Schlagworte: , ,

Die ARD Fernsehlotterie ist seit Jahrzehnten eine echte Institution in Deutschland. Das Prinzip dahinter ist relativ simpel. Von jedem verkauften Los geht ein gewisser Anteil in eine Stiftung, die wiederum mit dem Geld soziale Projekte unterstützt.

Auf der Website wird die genaue Zusammensetzung wie folgt erläutert:

Bei der Fernsehlotterie…

· wird der gesamte Reinerlös für karitative und soziale Zwecke eingesetzt: Das sind momentan rund 40%. (lotterierechtlich mindestens 30%)

· beläuft sich die Gewinnausschüttungsquote auf rund 31%. (lotterierechtlich mindestens 30%)    

· fließen die verbleibenden Mittel als Lotteriesteuer an den Staat, werden für die Verwaltung und Organisation der Soziallotterie genutzt oder dienen der Kommunikation des guten Zwecks.

Quelle

Von Zeit zu Zeit ermittelt die Lotterie wohl mittels Marktforschung ihren Einfluss und ihre Verbreitung. Dabei ist einem klugen Kopf aufgefallen, dass nicht mehr alles ganz so rund klingt. Der Geschäftsführer der Lotterie, Christian Kipper, wird diesbezüglich zitiert:

„Die Marktforschungsergebnisse haben gezeigt, dass wir in der öffentlichen Wahrnehmung unsere relevanten Zielgruppen nicht mehr optimal erreichen. Eine umfangreiche Zäsur war daher notwendig, um unseren Auftrag als Soziallotterie, Gelder zur Förderung karitativer Projekte einzuspielen, bestmöglich erfüllen zu können“

Nein was ein schönes Marketing-/Werber-Deutsch. Allein den ersten Satz sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Versucht mal, den laut vorzulesen ohne zu lachen! Sei es drum. Das Resultat der „umfangreichen Zäsur“ jedenfalls ist eine Umbenennung der Stiftung und ein komplettes „Re-Branding“. Ja, ich kann diese Ausdrucksweise auch…

Aus „ARD Fernsehlotterie“ wird „Deutsche Fernsehlotterie“ und der Claim „Ein Platz an der Sonne“ muss „macht mehr als glücklich“ weichen. Ich persönliche finde den neuen Claim inhaltslos und albern, denn was genau macht die Fernsehlotterie denn nun? Was kommt denn hinter „glücklich“? Reicht „glücklich sein“ nicht eigentlich aus?

Wenn man auf der Website der Fernsehlotterie ein wenig stöbert, findet man des Rätsels Lösung! Herr Kipper verrät es uns:

„Unsere Mitspieler haben mit ihrem Loskauf nicht nur die Chance, ein glücklicher Gewinner zu werden, sondern sie unterstützen damit insbesondere auch hilfebedürftige Menschen in ganz Deutschland – das ‚mehr‘ steht also für Hilfe“ [..]

Aha. Gutes Ansinnen, aber wäre da nicht vielleicht ein Claim besser gewesen, der das auch genau so kommuniziert? Aber da werden sich viele schlaue Leute für viel Geld die Köpfe drüber zerbrochen haben.

Ich will das ganze hier aber nicht schlechter machen als es ist, denn zumindest die neue Werbung der „Deutschen Fernsehlotterie“ gefällt mir ziemlich gut!

Kern des Ganzen ist ein etwa 30 Sekunden langer Fernsehspot, in dem ein Papierflieger durch ein animiertes Papierdeutschland fliegt.


YouTube Direktlotterie

Die Aufmachung des von der Sehsucht GmbH erstellten Clips mag ich sehr. Die Papierfiguren treffen für mich genau den richtigen Mittelpunkt zwischen Realismus in der Darstellung der Figuren und der Tatsache, dass die Figuren aus Papier bestehen. Außerdem verbreitet der ganze Spot so ein schönes „Heile Welt“-Gefühl, dass ziemlich gut zu meiner Vorstellung einer „deutschen Lotterie zur Förderung sozialer Projekte“ passt.

Nach dieser kleinen Einleitung nun aber endlich zum eigentlichen Thema dieses Posts:

Das Plakat

Das gesamte Plakat

Das gesamte Plakat (Quelle: Zum goldenen Hirschen / Deutsche Fernsehlotterie)

Wie es sich für eine Kampagne dieser Größe gehört, gibt es neben dem Fernsehspot auch eine Plakatkampagne. Entwickelt und gestaltet wurde das Plakat von der Hamburg Agentur „Zum goldenen Hirschen„, die in ihrer Kundenkartei schon einige ziemlich große Namen stehen haben.

Gesehen habe ich das Plakat neulich an einer Bahnstation. Sehr gut gefällt mir daran, dass es auf den ersten Blick sehr übersichtlich und aufgeräumt aussieht. Man erkennt auf den ersten Blick, wo die wichtigen Informationen sind und worum es geht. Auch die allgemeine Farbgestaltung mag ich. Der Komplementärkontrast zwischen dem blauen Schild und dem goldenen Los erregt Aufmerksamkeit, schreit einem aber nicht gleich ins Gesicht.

Aufgrund der eher etwas gedeckteren Farben wirkt der Hintergrund zuerst einmal eher zurückhaltend, obwohl er sehr kleinteilig ist. Erst bei näherem Betrachten fällt einem auf, was da eigentlich so alles los ist.

Da ich eine ganze Weile auf meine Bahn warten musste, hatte ich genügend Zeit, um mir das Plakat in Ruhe anzukucken. Dabei habe ich einige bemerkenswerte Situationen entdeckt, die ich bei einer Institution wie der „Deutschen Fernsehlotterie“ so nicht erwartet hätte oder die mich einfach amüsiert haben und die man beim flüchtigen Drüberkucken vielleicht übersieht.

Der Taucher mit der Kiste

Taucher mit Kiste

Taucher mit Kiste (Quelle: Zum goldenen Hirschen / Deutsche Fernsehlotterie)

Ganz außen am linken Bildrand entsteigt ein ziemlich dick eingepackter Taucher mit einer mysteriösen Kiste den Papierfluten. Gefallen hat mir vor allem der eher altmodische Anzug des Tauchers und das man wohl nie erfahren wird, was genau der da vom Meeresboden mitbringt.

Der Spanner vor der Damenumkleide

Spanner

Spanner (Quelle: Zum goldenen Hirschen / Deutsche Fernsehlotterie)

Rechts vom Taucher in der unteren linken Ecke findet ein Beachvolleyballmatch statt. Wenn man genau hinkuckt, entdeckt man hinter der Tribüne, gut versteckt hinter einem Smart, einen Spanner mit Videokamera, der die Damen in der Umkleide filmt. Das Ferkel!

Verdächtig ist auch, dass man seinen linken Arm nicht sieht…

Der Pisser

Pissender Junge

Pissender Junge (Quelle: Zum goldenen Hirschen / Deutsche Fernsehlotterie)

Und wo wir schon beim Thema „Ferkel“ sind: Die Damen müssen noch mehr ertragen!

Völlig unbeachtet von vorbeigehenden Passanten und einem Bauarbeiter pisst einfach ein kleiner Junge gegen die Außenwand der Kabine.

Das einbeinige Kind

Einbeiniges Kind

Einbeiniges Kind (Quelle: Zum goldenen Hirschen / Deutsche Fernsehlotterie)

Direkt unterhalb der großen blauen Tafel sieht man einige Rollstuhlfahrer und Leute mit Prothesen Basketball spielen. Am Spielfeldrand auf einer Bank sitzt ein kleines Kind mit nur einem Bein.

Das auch solche Szenen ihren Platz auf dem Plakat gefunden haben finde ich sehr gut! Grade das Kind mit nur einem Bein ist nun wirklich rührend.

Die Giftfässer

Taucher mit Fässern

Taucher mit Fässern (Quelle: Zum goldenen Hirschen / Deutsche Fernsehlotterie)

Oberhalb des Strandes an der linken Seite des Plakats kann man unter der Brücke einige Personen in Schutzanzügen entdecken, die Fässer entweder aus dem Wasser bergen oder ins Wasser werfen. Ich tippe auf Ersteres, aber es bleibt Raum für Interpretationen. Auch darüber, ob es nun wirklich Gift- oder vielleicht auch Ölfässer sind, darüber lässt sich streiten, aber ich finde die Schutzanzüge deuten eher auf einen giftigen Inhalt hin.

Ich denke, dass man, wenn man sich das Plakat noch längere Zeit ankuckt, noch eine ganze Menge mehr entdecken kann. Sollte da jemand etwas finden, was sie oder er bemerkenswert findet, freue ich mich über einen Kommentar. Ich werde das dann hier ergänzen.

Wer sich mehr für Werbeplakate von großen Organisationen interessiert, sollte sich die Artikel über die WWF-Plakate und die Greenpeace-Plakate von Laura ankucken. Eine Übersicht über alle Beiträge hie rim Blog zum Thema Plakate gibt es unter dem Schlagwort „Plakat„.

War dieser Artikel interessant? Lass es deine Freunde wissen!





Kommentiere »Pisser, Spanner, Giftmüllfässer – das neue Plakat der Deutschen Fernsehlotterie«

Zurück zum Anfang