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Das Spiel mit der Unschärfe

Geschrieben am 02.05.2012 von Laura K.

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In der Makrofotografie wünscht sich der Fotograf meist mehr Schärfentiefe, als überhaupt möglich ist. Doch im Gegensatz dazu ist es häufiger wichtig ein bestimmtes Objekt in den Vordergrund zu rücken und die Aufmerksamkeit des Betrachters darauf zu lenken. Dass heißt, bei guten Bildern werden überflüssige, unwichtige Dinge weggelassen oder nur angedeutet.

Bokeh eines Waldes, vordergründig eine Ranke

Bokeh eines Waldes, vordergründig eine Ranke an einem Stamm (Quelle: wallpaperstock.net)

Diesen Gestaltungsaspekt erreicht man Unschärfe vor und hinter dem Hauptmotiv, indem man die geeignete Kombination von Blende, Brennweite und Aufnahmestandpunkt findet. So erreicht man eine erhöhte plastische Wirkung des Bildes und es kann durchaus auch einen dekorativen Effekt haben.

Dekoratives Bokeh

Dekoratives Bokeh (Quelle: sh-o-o-sh, deviantart)

Der Sammelbegriff für alle Eigenschaften von Unschärfe ist das japanische Wort „boke“, welches über die Jahre zum Fachwort „Bokeh“ wurde. Eigentlich bedeutet es im deutschen Wortsinn „verwirrt“, was sich auf die „verwirrten“ Lichtstrahlen bezieht, die nicht mehr ordentlich in einem Punkt ankommen.

Der Begriff „Bokeh“ bezeichnet die besondere Ausbildung der Unschärfekreise vor und insbesondere hinter der eigentlichen Schärfenebene, also kann man durchaus die Tiefenschärfe gestalten. Interessant ist, dass es nicht um die Stärke der Unschärfe geht, sondern darum wie die Unschärfebereiche aussehen.

Die Wirkung von Bokehs ist je nach Objektiv und nach der subjektiven Wahrnehmung des Betrachters sehr unterschiedlich. Allgemein gilt aber, dass die Unschärfekreise eine gleichmäßige Helligkeitsverteilung haben sollten und sie keine scharfen und sehr begrenzenden Ränder haben sollten. (Was aber natürlich wieder von der subjektiven Betrachtung abhängt…)

Die Einflussgrößen auf das Bokeh

Die Erscheinung des Bokehs kann man bewusst beeinflussen durch bestimmte Faktoren:

  • Aufnahmeformat
  • Brennweite
  • Blendenzahl
  • Entfernung Kamera – Hauptmotiv
  • Abstand des Vorder-/Hintergrundes
  • Formen und Muster des Motivs
  • Blendenform
  • Korrektion des Objektivs
  • Anfangsöffnung des Objektivs
  • Helligkeit im Vorder-/Hintergrund
  • Farbe

Empfehlenswert sind lichtstarke Objektive mit einer sehr geringen Blendenzahl (sehr großen Blendenöffnung), welche eine lange Brennweite haben.

Apodisation

Bestimmte Objektive (z.B. Sony SAL 2,8/135 STF (T4.5) oder Konica Minolta Objektiv AF 135mm 2.8 STF) eignen sich speziell für Bokehs, sie bedienen sich der Apodisation. Bei diesem Verfahren ist…

…ein Apodisationsfilter in Form eines konkav geformten Grauglaselements im Strahlengang verwendet, um Unschärfescheibchen mit praktisch idealer Gaußverteilung zu erzeugen, die einen besonders weichen Übergang vom hohen Schärfeeindruck in der Fokusebene in den Bereich der Unschärfe vor und hinter der Fokusebene erzielen. Der Effekt wird dabei über die STF-Blende gesteuert. STF steht für Smooth Trans Focus.

(Quelle: Wikipedia)

 Verschiedene Bokeh-Effekte

Flächiges Bokeh

Der Vorder- und Hintergrund zerfließt zu bunten Farbflächen, die keinerlei Konturen oder harte Ränder aufweisen.

Flächiges Bokeh

Flächiges Bokeh (1) (Quelle: Vermin Inc, flickr)

Flächiges Bokeh (2)

Flächiges Bokeh (2) (Quelle: rudolfo4 für olypedia.de)

Swirly Bokeh

Bei diesem Effekt scheinen sich die unscharfen Partien im Hintergrund zu drehen („swirl“). Das passiert, wenn man eine große Blendenzahl nutzt und das schräg einfallendes Licht auf eine enge Blendenöffnung trifft. Somit verjüngen sich die Unschärfekreise vom Bildzentrum zum Bildrand hin.

Swirly Bokeh (1)

Swirly Bokeh (1) (Quelle: maida0922, flickr)

Swirly Bokeh (2)

Swirly Bokeh (2) (Quelle: maida0922, flickr)

Ring-Bokeh

Hierbei werden die Unschärfekreise als unscharfe Ringe dargestellt, die man mit Spiegellinsenobjektiven herstellen kann, bei dem sich im Strahlengang ein Fangspiegel befindet.

Ring-Bokeh

Ring-Bokeh (Quelle: Armin Kübelbeck)

Lizenz von Armin Kübelbeck

 

Eigene Bokeh-Formen

Man kann auch durch selbst gebastelte Formaufsätze die unscharfen Scheibchen formen, zum Beispiel kann man sie in Herzchen oder Schneeflocken umwandeln.

Dazu braucht ihr nur schwarze Pappe, eine Schere und Klebeband. Zuerst baut ihr euch einen „falschen“ Objektivdeckel, der vom Durchmesser her gut auf die Linse passt. Dann schneidet ihr in die Mitte des Filters die gewünschte Bokeh-Form, welche nicht zu detailreich sein sollte!

Ich habe das mal anhand meines Objektives gebaut:

Kleine Anleitung zum Basteln einer Bokehform

Kleine Anleitung zum Basteln einer Bokehform (Quelle: Laura Kluczny)

Die Größe des Herzes bzw. einer beliebigen Form hängt von der Blendenöffnung ab. Ich habe das Herz, was ihr auf dem Bild seht, nach Rumprobieren noch einmal in seiner Größe halbiert. Sodass es am Ende ungefähr 7 mm hoch war.

Und hier ein Vorher-Nachher-Bild dazu:

Foto von Gras mit Wasserperlen

Gras mit Wasserperlen, vorher (Quelle: Laura Kluczny)

Gras mit "herzförmigen" Wasserperlen

Gras mit "herzförmigen" Wasserperlen, nachher (Quelle: Laura Kluczny)

Das gezeigte Beispiel zeigt zwar nur ein geringes vordergründiges und hintergründiges Bokeh, aber im Nachherbild kann man die geformten Lichtpunkte sehr gut erkennen.

Die Bilder sind mit der Blende f7,1 und 200mm Brennweite aufgenommen worden. Die Blende hätte eigentlich kleiner sein müssen, jedoch hätte es beim ersten Bild sonst eine Überbelichtung gegeben.

Beim Fotografieren habe ich festgestellt, dass es sehr schwer ist das Foto mit dem Aufsatz scharf zu bekommen und dass meine Herzform wohl immer noch ein wenig zu groß war, sodass keine glatten Kanten am Rand der Herzen entstanden sind. Außerdem wird das Bild natürlich dunkler, da der Aufsatz eine kleinere Blende darstellt und so weniger Licht auf den Sensor kommt. Zudem ist eine Vignettierung auf dem zweiten Bild zu sehen, welche durch den schwarzen Aufsatz entsteht.

Fazit: Selber aus einem Bokeh Formen zu erstellen ist keine leichte Sache, ich denke mit ein bisschen mehr Übung würden aber schön geformte Bokehs und damit schöne Bilder herauskommen.

Falls ihr nun keine Lust habt so einen Formaufsatz selber zu erstellen oder nicht so gut im Basteln seid, gibt es auch fertige Bokehfilterschablonen zu kaufen auf www.enjoyyourcamera.com  😉

 

Und nun noch ein kleines selbst gedrehtes Video, welches auch ein schönes Bokeh zeigt:


YouTube Direkt

 

Wenn ihr das Spiel mit der Unschärfe liebt, dann schaut doch auch mal auf den Artikel Faszination vom Miniaturwunderland, welcher sich mit dem Tilt-Shift-Effekt beschäftigt.

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