Das Endresultat von ca. 2 Stunden Fotoarbeit inkl. Vorbereitungszeit

Aquascaping – Landschaften unter Wasser gestaltet

Geschrieben am 23.03.2012 von Timo W.

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Das Thema Aquascaping dürfte wohl den Wenigsten etwas sagen. Im Grunde ist dies nur eine schöne Umschreibung für die Gestaltung eines Aquariums. Ich möchte in diesem Post einige schöne Beispiele für dieses Hobby, dem ich auch nachgehe und mich auf meinem Blog Aquascapia.com beschäftige, aufzeigen und Euch versuchen den Reiz der Aquariengestaltung näher zu bringen. Denn auch beim Aquascaping wird großer Wert auf Gestaltungsrichtlinien wie dem Goldenen Schnitt oder Symmetie gelegt. Es werden internationale Wettbewerbe veranstaltet, bei denen die Teilnehmer ihr Aquarium bis zum Einsendeschluß in Form bringen und dann ein finales Foto machen und einsenden – Preisgelder von bis zu 1 000 000 Yen (ca. 9 250€) sind für den ersten Platz möglich.

Gewinner des International Aquatic Plants Layout Contest 2012

Gewinner des International Aquatic Plants Layout Contest 2012 (Quelle: Paul Boutin)

Herkunft des Aquascapings

Wieso sind denn genau 1 000 000 Yen als erster Preis ausgeschrieben? Ganz einfach aus dem Grunde, weil der Urvater der Aquariengestaltung Takashi Amano aus Japan kommt. Die japanische Gartenkunst hat ihn wohl dazu animiert, auch unter Wasser die alt-japanischen Richtlinien des Landschaftsgärtnerns anzuwenden. Dabei geht es unter anderem um die, auf den ersten Blick recht banal wirkende Anordnung der zu verwendenden Steine oder Hölzer. Die Steine und Hölzer – das sogenannte Hardscape – werden immer in Gruppen gesetzt (immer mit einer ungeraden Anzahl). Man macht sich dabei über die Positionierung jedes Steins Gedanken und verbringt damit längere Zeit und kann sich dabei folgende Fragen stellen, um dem Ziel, dem perfekten Hingucker näher zu kommen:

  • Stimmt die Neigung der Steine?
  • Ist die schönste und natürlichste (oder bizarrste) Seite zum Betrachter gerichtet?
  • Bildet die Steinanordnung eine gewisse Blickführung?
  • Stehen die Steine in einem harmonischen Größenverhältnis zu einander?
  • Stehen die Steine im Goldenen Schnitt? Oder soll das Layout zentriert wirken?

Auf diesem englischen Blog sind die wichtigsten Gestaltungslinien anschaulich dargestellt: weiter zu Scape FU.

Man könnte dabei die Liste ewig weiter führen – das lasse ich jetzt mal.

Um sich über das spätere Gesamtbild des Aquarienlayouts klar zu werden, fertigt man Skizzen an, bezieht dabei das vorhandene Dekomaterial (Steine, Sand und Wurzeln) mit ein und überlegt sich dann, welche Wasserpflanzen man nimmt. Generell sind gerade kreative Ideen im Aquascaping stark im Kommen. Dabei entstehen dann Bäume in weiten Ebenen, Wasserfälle die aus Bergen fließen (ja, wir befinden uns immer noch unter Wasser) oder sogar fliegende Inseln, wie man sie aus Avatar kennt.

Ein spektakuläres Aquarium von O. Knott - ein erfolgreicher Deutscher im Aquascaping

Ein spektakuläres Aquarium von O. Knott – ein erfolgreicher Deutscher im Aquascaping (Quelle: Oliver Knott)

Ein tolles Beispiel für den Ideenreichtum für die Gestaltung der Unterwasserlandschaft

Ein tolles Beispiel für den Ideenreichtum für die Gestaltung der Unterwasserlandschaft (Quelle: Unbekannt)

Im letzten Jahr gab es eine richtige Welle von Bäumen unter Wasser. Dabei wurden fast ganze Bonsai-Plantagen aufgekauft, nur um an deren möglichst bizarr geformten Stämme zu kommen. Die Bonsais mussten dann den Trockentod sterben, ehe sie dann wieder mit „Unterwasser-Moos“ für die Gestaltung des Aquariums bepflanzt wurden.

Filipe Oliveira war allerdings in der weltweit via Internet vernetzten Aquascaping-Blog-Gemeinde der erste, der es geschafft hat, mit seinem Baum unter Wasser bei mehreren Wettbewerben abzuräumen:

Filipe Oliveiras "Pinheiro Manso" als gelungenes Vorzeigebecken für Bäume unter Wasser

Filipe Oliveiras „Pinheiro Manso“ als gelungenes Vorzeigebecken für Bäume unter Wasser

Eine Aufbau-Dokumentation von Filipe Oliveira

Eine Aufbau-Dokumentation von Filipe Oliveira

Das Einrichten eines Aquarien-Layouts kann wirklich schnell gehen – es kann sich aber auch über Tage ziehen, wenn man einfach nicht zufrieden mit der Anordnung der Steine oder Wurzeln ist.

Dokumentationen von Aquarieneinrichtungen mache ich persönlich auch sehr gerne und sie scheinen auch, was die Zugriffszahlen angeht, immer ziemlich gut anzukommen. Wer noch weitere Dokus sehen möchte, kann sich hier austoben: Einrichtungsdokumentationen.

So, das war erst einmal ein paar allgemeine Infos zum Thema Aquascaping – kommen wir nun zu ein paar schönen Beispielen.

 Aquarien-Layouts der letzten Jahre

Bei den folgenden Beispielen, die allesamt für diverse Aquascaping-Contests entstanden, sei angemerkt, dass sie noch NIE mit Photoshop bearbeitet wurden. Hier macht sich die wochenlange Vorarbeit (Pflanzen mehrfach schneiden und somit in Form bringen, das Hardscape vor dem „Foto-Termin“ teilweise von Schmutz und leichtem Algenbefall befreien usw.) mehr als bezahlt. Zum Einen ist das Fotobearbeiten in der Szene mittlerweile fast schon verpöhnt und zum Anderen ist es einfach in den Aquascaping-Contests strikt verboten.

So entsteht das finale Foto gerne einmal mit mehr oder weniger übertriebenem Aufwand (wobei ich hier noch im normalen Bereich gearbeitet hatte):

So entstand das folgende Contest-Foto

So entstand das folgende Contest-Foto (Quelle: Timo Wünsche)

Man beachte dabei bitte nicht das Chaos um das Aquarium herum – heutzutage sieht es bei mir anders aus. Aber es geht ja auch um das Ergebnis:

Das Endresultat von ca. 2 Stunden Fotoarbeit inkl. Vorbereitungszeit

Das Endresultat von ca. 2 Stunden Fotoarbeit inkl. Vorbereitungszeit (Quelle: Timo Wünsche)

Habt Ihr die Oberflächenbewegung des Wassers entdeckt? Glaubt mir, es muss sehr bescheuert ausgesehen haben, als ich mit einem Finger den (Selbst-) Auslöser der Kamera gedrückt habe, 10 Sekunden mit dem Kopf halb hinter dem Aquarium hängend und zum richtigen Zeitpunkt angefangen habe, von der hinteren Scheibe aus auf das Wasser zu pusten. Nebenbei immer darauf achtend, nicht das penibel ausgerichtete Stativ zu verrücken. Manchmal hörte man wohl Schreie aus meinem Zimmer… Der Schweiß, die Tränen und die Nackenkrämpfe haben sich allerdings mit einem zweiten Platz bei einem Contest bezahlt gemacht 😉

Weitere noch erfolgreichere Aquascapes, die nicht von mir sind, mir aber sehr gefallen, kommen jetzt – fast kommentarlos:

An diesem Aquarium besonders schön gelungen: die Steinanordnung. Hier wird deutlich, wie wichtig die pedantisch genaue Ausrichtung des Steinmaterials ist.

Ein bei Wettbewerben recht seltener Aquarienwürfel

Ein bei Wettbewerben recht seltener Aquarienwürfel (Quelle: Unbekannt)

 

Ein Eyecatcher in jedem Raum - das Naturaquarium

Ein Eyecatcher in jedem Raum – das Naturaquarium (Quelle: Unbekannt)

Eins meiner persönlichen Favoriten unter den Aquascapes - ein Becken vom japaner Cliff Hui

Eins meiner persönlichen Favoriten unter den Aquascapes – ein Becken vom japaner Cliff Hui

Ein weiteres sehr erfolgreiches Layout von Cliff Hui

Ein weiteres sehr erfolgreiches Layout von Cliff Hui (Quelle: Cliff Hui)

Der anfangs erwähnte Takashi Amano hat sein Hobby zum Beruf gemacht und gründete vor Jahren schon die weltweite Firma ADA. Diese Firma hat als Showroom eine ganze Galerie voll mit Aquascapes in einem sehr stilvollem Rahmen präsentiert. Dutzende Videos von Videorundgängen kursieren bei Youtube. Hier zum Abschluß dieses hoffentlich nicht zu langen Artikels ein paar entspannende Videos. Übrigens: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Aquarien eine sehr beruhigende Wirkung auf uns Menschen haben.

Leider auf japanisch aber man sieht Takashi Amano mal in Aktion:


YouTube Direkt

Weitere wirklich tolle Aufnahmen von Privat-Aquarien:

Dieses Video kann man sich auch gerne in Full-HD auf dem gesamten Bildschirm anschauen:


YouTube Direkt

Wenn man das halbnackte Kind am Anfang weggelassen hätte wäre das auch noch ein perfektes Video – allein vom technischen her:


YouTube Direkt

Nun ist dieser Beitrag aber zu Ende. Vielleicht ist es ein etwas freakiges Hobby aber von der klassischen Gestaltung nicht weit entfernt. Nebenbei kann man in diesen „Glasgärten“ auch sehr gut Fische halten – ein nettes Beiwerk, bei dem es auch gilt, dass es von der Größe, Agilität und Anzahl zum Rest des Aquariums passen sollte. Wer mehr wissen möchte, kann sich gerne per Facebook bei mir melden!

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