adelaids_forgotten_outlaws

Vintage Verbrecher Streetart

Geschrieben am 11.12.2011 von Arne K.

Schlagworte: , , , , ,

Historische Verbrecherfotos als Riesenposter im öffentlichen Raum. Einfach großartig!

Der Australier Peter Drew aus Adelaide arbeitet neben seiner Gallerietätigkeit auch immer mal wieder ungefragt im öffentlichen Raum.

Als er wegen genau so einer Aktion vor einiger Zeit verhaftet wurde, kam ihm eine Idee. Er begann sich durch das Archiv der „South Australian State Records“ zu wühlen und stieß dabei auf eine Kartei von Kleinkriminellen aus dem Adelaide der 1920er Jahre.

Charles Williams Mugshot (Foto: Peter Drew)

Charles Williams Mugshot (Foto: Peter Drew)

Neben dem Namen und der Tat waren dort auch reichlich Bilder der Täter zu finden. Einige dieser Bilder faszinierten ihn so, dass er sie sich in Postern mit einer Höhe von knapp 2,5 Meter ausdrucken lies. Auf jedes dieser Poster schrieb er den Namen und die Tat des darauf Abgebildeten und begann insgesamt 42 dieser Poster in Adelaide an die Wände zu kleistern.

In dem Video sieht man, dass er sich einfach eine orangene Warnweste angezogen und die Teile am hellichten Tag mitten auf belebten Straßen an die Wände gebracht hat.


Mittlerweile hat ihn wohl die Stadt selbst ausfindig gemacht. Allerdings scheinen da ziemlich entspannte Leute zu wohnen, denn wie Peter Drew auf seiner Website erklärt, darf er die Bilder wohl hängen lassen, wenn er die Nachnamen entfernt, um mögliche Nachkommen nicht bloßzustellen, und die Inhaber der Wände nachträglich um Erlaubnis bittet. Meiner Meinung nach eine ganz ganz starke Ansage der Stadtverwaltung!

Auf seiner Seite gibt es auch eine google-Map mit den Standorten aller 42 Poster, verlinkt mit den Originalseiten aus dem Archiv, die man auch auf seiner facebook-Seite findet. Sollte also jemand grad in Adelaide unterwegs sein, würd ich mich sehr über Fotos freuen!

Ich finde die ganze Aktion fantastisch, da es ein Stück nicht beachteter Stadtgeschichte ganz direkt wieder in den öffentlichen Raum und ins Bewusstsein der Einwohner von Adelaide bringt. Ich habe ja sowieso einen Faible für historische Dokumente und wenn man das auch noch mit vermeintlich Gesetzlosen kombiniert, ist das pures Gold für mich.

Auch spannend finde ich, dass wohl einige der Verbrechen, für die die Herschaften damals verhaftet wurden, heute gar kein Straftatbestand mehr sind, was automatisch auch unser heutiges Rechtssystem hinterfragt. Wer weiss, ob das, wofür heutzutage Leute hinter Schloss und Riegel landen, in 90 Jahren noch irgendwie relevant ist? Bevor ich jetzt eine große „Was ist gut und was ist böse?“-Diskussion lostrete, lieber noch ein Punkt, der mich unglaublich beeindruckt hat:

Adelaide`s Forgotten Outlaws Handschrift (Foto: Peter Drew)

Adelaide`s Forgotten Outlaws Handschrift (Foto: Peter Drew)

Was würde ich dafür geben so eine Handschrift zu haben? In Zeiten, wo fast alles nurnoch am PC geschrieben wird (ja, ich bin mir der Ironie bewusst sowas mittels Tastatur in einen Blog zu schreiben), sieht man kaum noch wirklich schöne Handschriften.

Obwohl hier nur wenige Daten als kurze Notizen festgehalten wurden, die nie dafür bestimmt waren, dass sie von mehr als ein paar Leuten gelesen werden, sieht jedes Wort aus wie ein kleines Kunstwerk. Auch erkennt man innerhalb der Serie die Handschriften verschiedener Leute mit einem ganz eigenen Duktus, aber alle sehen aus als wären sie mehr gemalt als geschrieben worden.

Es lohnt sich also sich durch die Galerie bei facebook zu klicken und sich neben den natürlich interessanten Fotos auch mal die Notizen unten auf den Seiten anzusehen!

Sollte ich mal verhaftet werden, möchte ich auch so einen Hut tragen.

Hat dir dieser Artikel gefallen? Sag es deinen Freunden!





Kommentiere »Vintage Verbrecher Streetart«

Zurück zum Anfang