J & j

Handgemachte Schrift

Geschrieben am 30.03.2012 von Arne K.

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Tien-Min Liao kommt aus Taiwan und arbeitet gern mit ihren Händen und mit Schrift.

Eines ihrer Projekte hat sie „Handmade Type“ genannt. Es widmet sich den Unterschieden zwischen Majuskeln & Minuskeln, wie die eine Buchstabenform sich aus der anderen ergibt und wie beide zusammenhängen.

Wem die Begriffe „Majuskel“ und „Minuskel“ nichts sagen, der finder hier bei Wikipedia eine mehr als ausführliche Erklärung.

Majuskel (Plural Majuskeln, von lateinisch maiusculus ‚etwas größer‘) ist in der Typografie ein Fachbegriff für die Großbuchstaben des Alphabets und gleichzeitig eine Auszeichnungsart für Buchstaben. Ein Schriftsatz aus Majuskeln ist eine Majuskelschrift bzw eine Kapitalschrift. […] Das Gegenteil einer Majuskel ist eine Minuskel, ein Kleinbuchstabe des Alphabets.

– Wikipedia

Das Besondere an ihrem Projekt ist dabei die Herangehensweise.

G & g

G & g (Quelle: Tien-Min Liao)

 

Ein Buchstabe entsteht

Ein Buchstabe entsteht (Quelle: Tien-Min Liao)

Sie hat sich mit schwarzer Tinte Formen auf eine oder beide Hände gemalt, die je nach Haltung der Hand entweder die große oder die kleine Form eines Buchstabens ergeben.

Zusätzliche Schwierigkeit war, dass sie sich nicht erlaubt hat, Teile der Tinte zu verändern, hinzuzufügen oder abzuwaschen. Die unterschiedlichen Formen sollten sich rein durch die unterschiedlichen Gesten ergeben. Als wäre das nicht schon genug, hat sie sich als Vorlage auch noch eine Antiqua-Schrift ausgesucht, deren Buchstabenformen deutlich aufwändiger in der Darstellung sind, als ein Großteil der Grotesken.

C & c

C & c (Quelle: Tien-Min Liao)

Großartig finde ich, wie sehr dabei auf typografische Details geachtet wurde! Sie berücksichtigt die Form und Stärke von Serifen, Unterschiede in den Strichstärken und die sich daraus ergebenen Schattenachsen – und das nur durch die Bewegung ihrer Hände und Finger.

Am „C“ oben kann man auch schön erkennen, wie präzise sie gearbeitet hat. So unterscheidet sich das „C“ vom „c“ neben der Form der Krümmung auch in dem oberen Ende eben dieser. Beim „C“ endet sie in einer scharfen Kante, beim „c“ hingegen in einem sehr akkurat wiedergegebenen Tropfen.

Anhand von einigen Beispielen zeigt sie, wie sich die Metamorphose von Majuskel zu Minuskel vollzieht. Warum sie als Format für die meiner Meinung nach sehr hübschen Animationen ausgerechnet .GIF gewählt hat, ist mir allerdings ein Rätsel. Das hätte man auch geschickter über kurze Videoclips machen können.

Leider spielt unser Template .gif-Animationen nur in der Lightbox ab. Wenn man sehen will, wie raffiniert sie ihre Hände und Finger bewegt, damit aus beispielsweise einem „A“ ein „a“ wird und welche Bereiche der Hände wie bemalt wurden, muss man die folgenden Bilder durch einfaches Draufklicken in der Vollansicht öffnen.

Verwandlung von A nach a

Verwandlung von A nach a (Quelle: Tien-Min Liao)

 

Verwandlung von E nach e

Verwandlung von E nach e (Quelle: Tien-Min Liao)

 

Verwandlung von H nach h

Verwandlung von H nach h (Quelle: Tien-Min Liao)

Ich finde dieses Projekt sehr faszinierend. Es beeindruckt mich, wie viel Überlegung und Planung hinter jedem einzelnen der Buchstaben stecken muss, damit das in dieser Form so hervorragend funktioniert. Zudem finde ich es sehr spannend sich so tiefschürfend mit der Form und der Zusammensetzung von Glyphen auseinander zu setzen. Auch eine Aufarbeitung der Zusammenhänge zwischen Majuskeln und Minuskeln habe ich so noch nicht gesehen.

Abgesehen vom typografischen Aspekt finde ich die Form der Darstellung einfach großartig, da mit ganz einfachen Mitteln ein eigentlich komplizierter Sachverhalt äußerst anschaulich illustriert wird. Die Idee, die Transformation der Buchstaben mit den eigenen Händen und Fingern umzusetzen, ist in meinen Augen einfach genial und die Umsetzung ist außerordentlich. Ich mag die Detailverliebtheit, die in der Reproduktion jeder einzelnen Glyphe steckt.

Wie aufwändig das ganze Projekt wohl gewesen sein mag, lässt sich erst so richtig erahnen, wenn man sieht, dass Tien-Min Liao tatsächlich das gesamte Alphabet umgesetzt hat (Auch hier funktioniert die Animation erst in der Vollansicht).

Das komplette Alphabet

Das komplette Alphabet (Quelle: Tien-Min Liao)

Dann gibt es noch einen kurzer Clip, in dem man die Hände auch tatsächlich in Bewegung sieht und die Verwandlung der einen Buchstabenform in die andere nochmal nachvollziehen kann.


vimeo Direkt

Es lohnt sich sich sich das behance-Profil von Tien-Min Liao anzusehen. Dort findet man, neben weiteren interessanten Projekten von ihr, auch noch ein paar weitere Handmade-Buchstaben.

Noch mehr hangemachte Typo-Kunst gibt es hier im Blog zum Beispiel bei den Kreidetafeln von Dana Tanamani. Wer sich mehr für ganze Alphabete interessiert, sollte beim Tag „Alphabet“ einen Blick riskieren.

Mehr zum Thema Typografie allgemein findet man unter dem Schlagwort „Typografie“ und natürlich in der Typografie-Kategorie.

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