Handwriting Flash

SHS #17: Some Type of Hero

Geschrieben am 05.08.2012 von Arne K.

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Dies ist der 17. Teil der SuperHeldenSonntag-Serie, bei der ich versuche jeden Sonntag verschiedenste Künstler und Kunstwerke rund ums Thema “Superhelden” vorzustellen. Alle Beiträge der Serie findet man gesammelt unter dem Schlagwort “SuperHeldenSonntag“.

Das man Schriften in bestimmte Klassen einteilt, wird für viele hier nichts Neues sein. Zur Sicherheit jedoch hier ein Auszug aus der Din 16518, die genau diese Einteilung regelt:

Die DIN-Norm DIN 16518 des Deutschen Instituts für Normung e. V. regelt das in Deutschland gebräuchliche Klassifizierungssystem für Schriftarten. […]

Die Norm DIN 16518 legt elf Schriftgruppen fest. 

  • Gruppe I: Venezianische Renaissance-Antiqua
  • Gruppe II: Französische Renaissance-Antiqua
  • Gruppe III: Barock-Antiqua
  • Gruppe IV: Klassizistische Antiqua
  • Gruppe V: Serifenbetonte Linear-Antiqua
  • Gruppe VI: Serifenlose Linear-Antiqua
  • Gruppe VII: Antiqua-Varianten
  • Gruppe VIII: Schreibschriften
  • Gruppe IX: Handschriftliche Antiqua
  • Gruppe X: Gebrochene Schriften
  • Gruppe XI: Fremde Schriften

Wikipedia – Schriftklassen

Die Schriftklassen unterscheiden sich untereinander durch die Form ihrer Glyphen und der daraus entstehenden Wirkung auf den Betrachter.

Bevor ich nun aber abgleite, denn allein über dieses Thema könnte man stundenlang philosophieren, ist es fürs Folgende einfach wichtig zu wissen, dass es diese Einteilung gibt. Außerdem ist es wichtig, dass diese Din Norm nur in Deutschland gilt. Amerikaner, wie in diesem Fall Matthew Olin, teilen ihre Schriften auch Klassen zu, allerdings sind die ein wenig anders aufgebaut und benannt. Also nicht wundern, wenn man die Begriffe auf den Postern nicht in der obigen Liste findet.

Warum nun aber dieser Exkurs in die Typografie – und wo sind die Superhelden?

Der amerikanische Gestalter Matthew Olin macht sich bei seinem Projekt „Some Type of Hero“ genau diese Einteilung zu nutzen. Er spielt mit ihr, verstärkt und verdeutlicht das Prinzip.

Er hat sich die Charakteristika der einzelnen Schriftklassen vorgenommen und ihnen, entsprechend ihrer Eigenschaften und ihrer Wirkung, nicht bloß Begriffe, sondern Superhelden aus Comics und Filmen zugeordnet.

Sans Serif Batman

Sans Serif Batman: Assertive and familiar – enforcing structure and authority (Quelle: Matthew Olin)

Didone Catwoman

Didone Catwoman: Smart but stylish – influential with its curves while deceptive in weight (Quelle: Matthew Olin)

Slab Serif Hulk

Slab Serif Hulk: Often heavy and imposing – a direct and evolved transitional form (Quelle: Matthew Olin)

Mir gefällt außerordentlich gut, wie er mit den Glyphen der einzelnen Schriften die Superhelden nachgebaut hat. Erstaunlich finde ich, wie detailreich ihm das gelungen ist und wie geschickt er die verwendeten Zeichen ausgewählt hat, sodass diese durch ihr eigenes Erscheinungsbild den Charakter des dargestellten Helden unterstützen.

Nicht ganz sicher bin ich mir, ob ich es gut oder schlecht finde, dass die einzelnen Flächen farbig hinterlegt wurden.

Einerseits macht das die Bilder natürlich deutlicher und leichter erkennbar. Ohne Farbe wären die Bilder vermutlich viel weniger auffällig und möglicherweise etwas konfus.

Andererseits fallen die Schriftzeichen so viel weniger auf. Zumindest mir ging es so, dass ich erst die farbigen Flächen wahrgenommen habe und erst beim zweiten Blick das eigentlich Geniale an diesen Portraits erkannte. Um dann die einzelnen Zeichen unterscheiden zu können, muss man schon sehr genau hinsehen.

Ich finde die Bilder so wie sie sind schon sehr großartig, bin mir aber nicht sicher, ob mir eine mehr auf die Typografie konzentrierte Herangehensweise nicht noch besser gefallen hätte. Zum Beispiel stelle ich es mir spannend vor, wenn man die Zeichen nicht farbig hinterlegt sondern direkt passend eingefärbt hätte.

Dennoch ziehe ich natürlich meinen Hut vor der Arbeit, die da mit Sicherheit drin steckt, und vor allem vor der großartigen Idee, da hinter.

Serif Superman

Serif Superman: Driven by traditional virtues – providing hope when all else fails (Quelle: Matthew Olin)

Script Spiderman

Script Spiderman: Delicate but strong – swift and fluid with an underlying passion (Quelle: Matthew Olin)

Display Cyclops

Display Cyclops: Distinct but unified – each containing a seperate personality and power (Quelle: Matthew Olin)

Die Zuordnung der einzelnen Superhelden zu den Schriftklassen finde ich sehr schlüssig. Auch die jeweils ausgewählte Schrift, bis auf einen Fall weiter unten, passt gut zu der Klasse, die sie repräsentieren soll.

Gut gefällt mir, dass er unter den Portraits kurz beschreibt, was typisch für die einzelnen Klassen ist und auch mit angibt, welche Schrift er jeweils verwendet hat, inkl. eines Ausschnitts aus deren Zeichenvorrat.

Handwriting Flash

Handwriting Flash: Quick and reflexive – accelerating movement, comprehension and reaction (Quelle: Matthew Olin)

Blackletter Thor

Blackletter Thor: Of ancient origins – combining both dramatic and elaborate characteristics (Quelle: Matthew Olin)

Warum er nun ausgerechnet „Cloister Black“, die man hier herunterladen kann, des deutschen Schriftgestalters Dieter Steffmann als Vertreter für die Blackletter-Schriften ausgesucht hat, ist mir schleierhaft. Natürlich ist das immer auch Geschmackssache und die „Cloister Black“ ist vermutlich die am weitesten verbreitete Blackletter, aber meiner Meinung nach auch eine der weniger hübschen.

Grade das große „F„, das hier in den Flügeln von Thors Helm auftaucht, gefällt mir überhaupt nicht, da es mich aufgrund der sehr dünnen Spitze am unteren Ende und dem sehr massiven und schwergewichtigem Kopf immer an eine Kaulquappe erinnert.

Meiner Meinung nach hätte es deutlich schönere Alternativen gegeben. Schon Herr Steffmann bietet auf seiner Seite eine große Zahl an unterschiedlichsten Blackletter- und Frakturschriften an.

Auch wenn sich das oben vielleicht sehr harsch anhört und möglicherweise etwas sehr pingelig ist, ist das bloß ein kleiner Wermutstropfen.

Superhelden als Marke

In den Galerien des behance-Profils von Matthew Olin finden sich noch viele weitere Arbeiten, bei denen er sich auf unterschiedlichen Wegen dem Thema „Superhelden“ und deren Charakteren nähert.

So versucht er unter anderem Helden unterschiedliche Marken anhand von Markenimages zuzuordnen. Aber auch viele sehenswerte typografische Arbeiten zu ganz unterschiedlichen Themen hat er in seinem Portfolio.

Alle Teile des „SuperHeldenSonntag“ findet man hier. Mehr Typografie-Superhelden findet man bei René Mambembes Superhelden-Helvetica-Alphabet.

C wie Captain America

C wie Captain America (Quelle: René Mambembe)

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